Tuesday, June 20, 2006

Gruesse aus Krui

Hallo Zusammen!

In den letzten Wochen ist viel passiert. Dass Sumatra abenteuerlich würde, darauf waren wir vorbereitet, aber der Reihe nach.

Mit einem Kran wurden die Motorräder auf einen Zwiebelfrachter verladen und so von der Insel Penang in Malaysia nach Medan in Sumatra verschifft.

Mit Erik, einem Norweger auf einer Yamaha TT, sind wir gemeinsam in Sumatra gestartet und unser erstes Ziel war ein Nationalpark, in den domestizierte Orang Utans ausgewildert werden. Bei einem Trek treffen wir auf Ratna, wie sie faul in den Bäumen hängt, während sich ihr Baby in die zotteligen Bauchhaare krallt. Sie posiert geduldig für unzählige Fotos, bewegt sich nur sehr gemächlich. Am nächsten Tag gehen wir zur morgendlichen Fütterung, mit der die Orang Utans behutsam an die Auswilderung gewöhnt werden sollen. Wir bewundern die sehr menschlichen Züge dieser Affen und beobachten sie schmunzelnd.

Danach geht es südlich weiter. Der mit vielen Schlaglöchern übersäte Sumatra-Highway windet sich in tollen Kurven durch die urwaldbewachsenen, grünen Berge, vorbei an Dörfern, voller zum Trocknen aufgehängter Wäsche, über klare Flüsse, in denen Scharen nackter Kinder vergnügt planschen.
Die Erde ist hier in Sumatra noch aktiv, nachts spüren wir gelegentlich ein Vibrieren. Es gibt viele Vulkane, von denen die meisten mittlerweile erloschen sind. Auf einen klettern wir hinauf, bis zu den brodelnden, zischenden, gelben Schwefelquellen, baden die müden Muskeln in der heißen Quelle am Fuße des Vulkans und fahren zum Danau Toba, einem gigantischen Kratersee, in dessen Mitte eine Insel von der Größe Singapurs ist.

Die Straße ist immer noch recht schlecht und führt durch die Berge, so dass wir langsam vorankommen, was uns nicht im mindesten stört, denn dafür entschädigt uns die überwältigende Landschaft und das phantastische Grün der Reisfelder, an dem wir uns selbst nach Monaten noch nicht satt gesehen haben. Auf einmal taucht in einer Rechtskurve unmittelbar vor mir (Reni) ein weißer Minibus auf! Instinktiv ziehe ich nach links rüber, höre ein Krachen und das nächste Bild, das ich habe, ist wie ich auf dem Motorrad sitzend am Kurvenrand liege und die Zündung ausmache. Der Minibus, war übrigens ein Ambulanzwagen, hat meinen rechten Koffer gerammt, der im hohen Bogen abgeflogen ist, während ich auf die linke Seite gefallen bin, wo der andere Koffer den Sturz abgefangen hat. Mir ist wirklich gar nichts passiert und auch das Motorrad ist heil geblieben. Beim Ambulanzfahrzeug ist der rechte Scheinwerfer kaputt und wir einigen uns, dass jeder seinen Schaden selber trägt. Mit Spanngurten befestigen wir die demolierten Koffer provisorisch am Motorrad und fahren 20 km in den nächsten Ort. Tobi zieht mit dem Besitzer der Unterkunft gleich los, um die Koffer ausbeulen zu lassen. Einige Haken werden versetzt, die Löcher zugenietet, während ich den Schreck verarbeite.

Am nächsten Tag überqueren wir den Äquator und befinden uns von nun an auf der Südhalbkugel. Abends erreichen wir Danau Maninjau, einen weiteren Kratersee, zu dem sich die Straße in 44 Haarnadelkurven hinunter windet. Wir wohnen direkt am Strand, mit Blick auf den glasklaren, von Bergen eingeschlossenen, See und sind uns einig: Dies ist ein wahrhaft paradiesisches Fleckchen. Leider drängen unsere Visa und bereits nach zwei Tagen müssen wir weiter, diesmal der Westküste folgend, immer am Meer entlang. Nach einigen Fahrtagen stellen wir abends das Zelt an einem Flussufer auf, wo Indonesier baden und ihre Autos und Mopeds waschen. Auch wir hüpfen ins Wasser.

Die ganze Nacht regnet es, ebenso am Morgen, wir packen unsere nassen Sachen ein und ziehen die Regenklamotten über. So macht Fahren keinen Spaß, man zieht sich unwillkürlich in sich zurück, hat kein Auge mehr für die Landschaft. An einem steilen Anstieg sehe ich aus dem Augenwinkel wie Tobi nicht mehr weiterkommt, parke bei der nächsten Möglichkeit und renne herzklopfend den Berg hinab. Zwei LKW-Fahrer versuchen ihn anzuschieben. Zwecklos, die Kraft des Motors wird nicht auf die Kette übertragen. Zum Glück arbeitet an dem Anstieg ein LKW, der PS-schwache Brummis hochzieht und Tobi zurück zu einer „Raststätte“ schleppt. Ein Mechaniker wird herbeigeholt, der unseren Verdacht bestätigt, die Kupplung ist kaputt. Endstation im Niemandsland. Nach Diskussion unserer Optionen lädt uns der Mechaniker zu sich nach Hause ein. Diesmal wird Tobi von meinem voll beladenen Motorrad abgeschleppt und wir sind beeindruckt, was alles möglich ist und wie stark die Motorräder sind, gilt es doch noch einige, ordentliche Anstiege zu bewältigen. Nun wohnen wir bei Tulus, dem freundlichen Mechaniker, der bereits in die 400 km entfernte nächstgrößere Stadt gedüst ist, um Kupplungsscheiben zu besorgen, während seine Frau und Mutter uns umtüddeln. Zwei Tage später ist der Schaden behoben und wir machen uns wieder auf nach Süden.

Wir grüßen Euch herzlich aus dem zauberhaften Sumatra,

Reni & Tobi
(05.03.07)




Abschleppdienst Sumatra


Der Vulkan Gunung Sibayak bei Berastagi


Fliiieeeg...


Renata waescht im Kratersee


Trinkender Orang Utan